Liebe Freundinnen und Freunde,
in unserem letzten Lebenshaus-Newsletter haben wir von einer Patenschaft der Stadt Gammertingen (Kreis Sigmaringen), dem Sitz unseres Vereins, mit einer Bundeswehreinheit berichtet. In einem "Offenen Brief" an Herrn Bürgermeister Jerg protestieren wir gegen diese Bundeswehrpatenschaft und fordern die Gemeinde auf, sich für zivile Alternativen im Afghanistan-Krieg einzusetzen und Kommunale Friedensarbeit zu fördern.
Vielen Dank allen, die unsere Unterschriftensammlung bereits unterstützt haben. Aber auch Bürgermeister Jerg hat bereits sehr heftig reagiert. Der Rücklauf von Unterschriften von Gammertinger Bürgern und Bürgerinnen ist bisher erwartungsgemäß zurückhaltend. Eine Diskussion ist allerdings angestoßen, was wir bereits als Erfolg verbuchen können.
Unsere Aktion mit dem "Offenen Brief" an den Gammertinger Bürgermeister steht zugleich exemplarisch für andere Orte, wo in ähnlicher Weise versucht wird, die Unterstützung der Bevölkerung für den Krieg in Afghanistan (und anderswo) zu steigern. Vielleicht ist diese Aktion sogar Anregung und Ermutigung für andere
unmittelbar Betroffene.
Allerdings sind wir gerade in einer Region, in welcher die Bundeswehr fest verankert ist und höchstes Ansehen genießt, auf Solidarität bei unserem Protest angewiesen. Wir bitten Menschen aus nah und fern um Unterstützung bei unserer Aktion. Für eine geplante erste Übergabe sollten die Unterschriften unter den "Offenen Brief" bis zum 8. Juli 2010 an uns zurückgesandt werden (Brief oder formlos per E-Mail). Wir sammeln aber über diesen Zeitpunkt hinaus weiter Unterschriften.
Alles Weitere zur Aktion findet sich unter:
www.lebenshaus-alb.de/magazin/aktionen/006355.html und
lebenshaus-alb.de/magazin/006376.html (Fragen und Antworten zum Protest gegen Städtepartnerschaft mit Bundeswehreinheit)
Unter den Hinweisen geht es um mehrere wichtige Aktionen. Zwei haben thematisch ganz eng mit unserer "Patenschaftsgeschichte" zu tun. Zum einen geht es darum, dass ein von der Bundeswehr geplantes "Öffentliches Gelöbnis" in Stuttgart abgesagt werden soll. Bei der anderen geht es um eine Unterschriftenaktion eines
breiten Bündnisses von Friedensorganisationen unter den Appell: "Den Krieg in Afghanistan beenden - zivil helfen". Wir bitten diese wie allen anderen Aktion zu unterstützen, auf die wir in diesem Newsletter hinweisen.
Es gibt ein großartiges Antikriegsgedicht, das Erich Kästner 1928 geschrieben hat. Damit wir nicht ein solches Land werden, wie er es beschreibt, ist es heute wichtig, sich gegen jegliche militärischen Tendenzen und Einflüsse zu engagieren. Und natürlich gegen die Beteiligung deutscher Soldatinnen und Soldaten in Kriegen zu protestieren.
"Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
Dort stehn die Prokuristen stolz und kühn
in den Büros, als wären es Kasernen.
Dort wachsen unterm Schlips Gefreitenknöpfe.
Und unsichtbare Helme trägt man dort.
Gesichter hat man dort, doch keine Köpfe.
Und wer zu Bett geht, pflanzt sich auch schon fort!
Wenn dort ein Vorgesetzter etwas will
- und es ist sein Beruf etwas zu wollen -
steht der Verstand erst stramm und zweitens still.
Die Augen rechts! Und mit dem Rückgrat rollen!
Die Kinder kommen dort mit kleinen Sporen
und mit gezognem Scheitel auf die Welt.
Dort wird man nicht als Zivilist geboren.
Dort wird befördert, wer die Schnauze hält.
Kennst Du das Land? Es könnte glücklich sein.
Es könnte glücklich sein und glücklich machen?
Dort gibt es Äcker, Kohle, Stahl und Stein
und Fleiß und Kraft und andre schöne Sachen.
Selbst Geist und Güte gibt's dort dann und wann!
Und wahres Heldentum. Doch nicht bei vielen.
Dort steckt ein Kind in jedem zweiten Mann.
Das will mit Bleisoldaten spielen.
Dort reift die Freiheit nicht. Dort bleibt sie grün.
Was man auch baut - es werden stets Kasernen.
Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!"
(Erich Kästner)
Shalom Salam Pace
Euer / Ihr Michael Schmid
rev: 1.1 2010-07-01 18:31:36 +0000