Entwicklungszusammenarbeit wird amtlicherseits in Bayern immer noch als Förderung der eigenen Wirtschaft gesehen. Das EineWeltNetzwerk Bayern hatte es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, das Bewusstsein um ehrliche Entwicklungszusammenarbeit in den Landtagsfraktionen und der Staatsregierung zu wecken. Voraussetzung hierfür war, in den Fraktionen und der Staatsregierung Ansprechpartner zu bekommen. Nach vielem Schriftverkehr, Gesprächen im Hintergrund und einer öffentlichen Veranstaltung ist dies auch gelungen. Bei den Grünen gab es mit Dr. Martin Runge schon einen Zuständigen. Die SPD-Fraktion benannte Frau Kronawitter und die CSU-Fraktion Herrn Henning Kaul. Inzwischen ist auch der ärgerliche Zustand beseitigt, in der Staatsregierung mit einem Beamten des Wirtschaftsministeriums reden zu müssen, der für kein Ministerium sprechen konnte. Die Staatsregierung hat jetzt Herrn Minister Sinner als Ansprechpartner und Koordinator benannt.
Inzwischen ist noch mehr Bewegung in die Sache gekommen.
Auf Einladung von Landtagspräsident Alois Glück konnten die im EineWeltNetzwerk Bayern zusammengeschlossenen ca. 50 Hilfswerke, Vereine, Gruppen, Weltläden und Nord-Süd-Foren aus ganz Bayern ihre Initiativen und Hilfsprojekte im Maximilianeum den Abgeordneten vorstellen. Das Nord-Süd-Forum Fürstenfeldbruck war mit dabei desgleichen auch Gäste von Campo Limpo (Mitglied im Nord-Süd-Forum Fürstenfeldbruck) aus Alagoinhas/Brasilien, die u.a. an einer Münchner Schule über ihre Arbeit an einer Gesamtschule mit Behinderten berichtet hatten.
Der Landtagspräsident sowie Vertreter aller drei Fraktionen würdigten die vielfältigen Initiativen und die konkreten Hilfsprojekte als hervorragende Beispiele, wie durch zivilgesellschaftliches Engagement Solidarität mit den Ärmsten und Schwächsten auf unserer einen Erde verwirklicht werden kann. In seiner Begrüßung bedauerte der Sprecher des Netzwerks, Dr. Alexander Fonari die noch fehlende Unterstützung der Nord-Süd Zusammenarbeit durch die Staatsregierung. Gegenüber anderen Bundesländern sei Bayern hier noch "Entwicklungsland".
Jürgen Wrede
Netz-Info, Frühjahr 2005