Vermögensungleichheit Langfassung

Thomas Piketty (französischer Wirtschaftswissenschaftler):

„Ein Land, das sich weigert, die Reichen angemessen zu besteuern, fährt gegen die Wand.“

 

Reichtum in Deutschland

Im Manager Magazin sind 256 Milliardäre namentlich mit ihrem Vermögen aufgeführt.1 Da­nach hat Deutschland nach USA, China und Indien die meisten Milliardäre weltweit. Inter­essant wäre vielmehr die Milliardärsdichte (Milliardäre / 1 Million Einwohner). Da die USA die 4-fache, China und Indien je die 20-fache Bevölkerung im Vergleich zu Deutschland ha­ben, hat Deutschland neben den USA vermutlich die höchste Milliardärs­dichte. Die Gruppe der reichsten Deutschen, 0,1 % der Bevölkerung, besitzen 20 % des Gesamtvermögens von Deutschland 2. Damit ist Deutschland in der EU das Land mit der größten Vermögens­ungleichheit.

Diese Vermögens­ungleichheit wird verstärkt durch die Zunahme dieser Vermögen 1. Im Jahr 2001 hatte Deutschland 69 Milliardäre, 2025 bereits 256 Milliardäre. 70 Multimillionä­re mit 0,9 Milliarden Vermögen stehen an, um demnächst Milliardäre zu werden. Herr Schwarz (Lidl/Kaufland) hatte im Jahr 2020 ein Vermögen von 20 Milliarden und im Jahr 2025 46 Milliarden.

 

Probleme hinsichtlich Gesellschaft, Demokratie, Wirtschaft und Politik

Diese Zunahme an Vermögen sucht ständig neue Anlagemöglichkeiten; daher müssen im­mer neue Wirtschaftsbereiche privatisiert werden: Krankenhäuser, Arztpraxen, Altenheime, Wohnungsmarkt, Versorgungsunternehmen für Asylanten und Flüchtlinge, Riesterrente, Renten.

Die wachsende Vermögensungleichheit führt zu gesellschaftlichen Problemen.  Im glei­chen Maße wie der Reichtum zunimmt, nimmt auch die Armut zu. Nach dem neuesten Ar­muts- und Reichtumsbericht 5 gelten 18 % der deutschen Bevölkerung als arm und 2 % der Bevölkerung gehen wöchentlich zur Tafel, weil sie nicht genügend zu essen haben. Unter diesen Verhältnissen ist eine funktionierende Demokratie und Wirtschaft auf Dauer  nicht zu gewährleisten.

Vermögen bedeutet Macht und in einer funktionierenden Demokratie muss diese Macht Kontrolle erdulden. Dieses Verhältnis wurde in D und in der EU  weit­gehend umgedreht. Die Macht der Vermögenden kontrolliert weitgehend die Demo­kratie. Dies geschieht durch Geldspenden an die politischen Parteien und durch Lob­byismus, der von den Rei­chen selbst, von den Vorstandsvorsitzenden(CEO’s) der Aktiengesellschaften und den Eigentümern der Betriebe, von Verbänden und von diesen beauftragte Lobbyorganisationen durchgeführt wird. Dabei bedienen sich diese der ehemaligen Politiker und hoher Ministerialbeamter mit besten Kontakten zu Abgeordneten, Ministern und dem Bundes­kanzler. 3 Die höchsten Ausgaben für Lobbyismus haben Banken und Versicherun­gen. Eine der wichtigsten Lob­byorganisationen ist die „Stiftung Familienunternehmen“ mit der Schwesterorganisation „Stiftung Familienunternehmen und Politik“. 2 Der Name Familien­unternehmen suggeriert die Unterstützung des Mittelstandes. Jedoch sind in dieser Organi­sation nur 0,02 % der Familienunternehmen vertreten, nämlich nur die reichsten. Das Vermögen von drei Viertel der zugeordneten Familiendynastien über­steigt 100 Millionen €, bei 82 handelt es sich um Milliardärsfamilien. 90 % der zugeordneten Unternehmen lassen sich besonders klima­schädlichen Wirt­schaftsbereichen zuordnen, deshalb arbeiten diese Stiftungen gegen Gemeinwohlinteres­sen wie Steuergerechtigkeit, Klima– und Umweltschutzvorgaben.

Heute wird kaum noch ein Gesetz verabschiedet ohne die Zustimmung der Superreichen, z.B. Lieferkettengesetz, Lärmschutzgesetz, Steuerge­setze, Klimagesetze, Energie­ge­setze, Umweltschutzgesetze, Verbraucherschutzgesetze.

 

Die Lobby der Zivilgesellschaft ist finanziel zu schwach, um gegen diese Übermacht der Milliardäre größere Erfolge zu erzielen. Die letzte Möglichkeit, die die Zivilgesellschaft noch hat, sind Klagen vor Gerichten; z.B. Klagen der Deutschen Umwelthilfe, des BUND oder des Umweltin­stituts gegen Dieselbetrugssoftware, zur Luftreinhaltung, zu Klima und Naturschutz oder Erbschaftsteuergesetz. Um auch dies abzuwehren, versuchen die Superreichen mit Desin­formation, Diffamierung und Entzug von Geld, zivilgesellschaftliche Organisationen zu schwächen oder auszu­schal­ten.4 Eine weitere Abwehrmaßnahme der Superreichen wäre, zu versuchen die Gerichte mit Richtern zu besetzen, die in ihrem Sinne entscheiden. Die Diffamierungen des rechten Flügels der Union gemeinsam mit der AfD gegen die Juristin Brosius-Gersdorf gaben dazu einen ers­ten Vorgeschmack.

 

 Manager Magazin; Okt. 2025

greenpeace; Der Club der Superreichen: Das geheime Netzwerk der Stiftung Famili­enunternehmen und wie sie gegen Klimaschutz und Steuergerechtigkeit agiert, Sept. 2025

3   https://lobbypedia.de/wiki/Seitenwechsler_in_Deutschland_im_%C3%9Cberbl…

4 LobbyControl; Desinformation, Diffamierung, Defunding: Zivilgesellschaft unter Druck. Okt.2025

5https://www.armuts-und-reichtumsbericht.de/DE/Bericht/Der-siebte-Berich…­richt.html

 

Puchheim, im Januar 2026

Adolf Caesperlein